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Die Erlösung (3/4)

Die Durchführung: Das Leben Jesu

"Endlich war der Zeitpunkt da, wo ein großer Teil der Menschheit wenigstens in ihrem Sehnen nach Rettung reif war, die Erlösungstat Christi im Glauben entgegenzunehmen und über die Brücke zu gehen, die Christus über den Abgrund zwischen dem Reiche der Tiefe und dem Reiche Gottes schlagen sollte. Unzählige Menschengeister standen schon zum Übergang bereit. Nun war die Fülle der Zeit angebrochen, die nach dem Erlösungsplan Gottes für das Erscheinen des Erlösers vorgesehen war."1)

Die Ereignisse, die dem Kommen des Erlösers unmittelbar vorausgingen und mit diesem zusammenhingen sowie Einzelheiten über die Zeugung und Geburt Jesu können bei Greber und im Neuen Testament nachgelesen werden. Im Folgenden sollen einzelne Aspekte des Lebens Jesu dargestellt werden.

Der Kampf Jesu mit seinen menschlichen Schwächen

Jesus war kein vollkommener Mensch. Einen in allen Stücken vollkommenen Menschen gibt es nicht. "Da müsste der Mensch aufhören, Mensch zu sein und der Leib aufhören, Materie zu sein." (Greber, a.a.O., S.319) Die Materie an sich ist schon unvollkommen und selbst ein reiner und vollkommener Geist, der in die materielle Hülle kommt, "muss sich als Mensch nach und nach in beständigem Kampfe gegen das ihn niederziehende Böse zur Vollkommenheit durchringen." (Greber, a.a.O., S.318)

Als Mensch war also auch Jesus nicht frei von menschlichen Fehlern. Er unterlag denselben Versuchungen wie andere Menschen. Dies war schon im Kindesalter zu sehen. Er beging kindliche Fehler in derselben Art, wie sie bei anderen Kindern vorkommen und strauchelte aus menschlicher Schwäche. Genau so zeigt sich eben Schwachheit – "wer nie strauchelt, ist auch nie schwach." (Greber, a.a.O., S.321)

Konkrete Beispiele für diese Schwachheiten sind aus dem Erwachsenenleben Jesu bekannt. So hätte etwa ein in allem vollkommener Mensch Gott im Garten Gethsemane nicht gebeten, den Kelch des Leidens an ihm vorübergehen zu lassen. Als er Gott am Kreuze fragte, warum er ihn verlassen habe, sprach aus ihm der schwache Mensch. Auch weist Paulus darauf hin, dass Jesus aus dem ihm widerfahrenen Leid Gehorsam gelernt hat (Hebräer 5,8). Also musste auch Jesus den Gehorsam erst lernen. Auch er hat nicht immer den inneren und äußeren Anregungen zum Guten Folge geleistet.

Aus diesen und anderen Beispielen wird aber auch ersichtlich, wie schwer Jesus gekämpft hat. Dabei entzog sich das meiste, was Jesus unter den Anfechtungen des Bösen zu erdulden hatte, den Augen der Menschen. Darum berichtet die Bibel darüber auch kaum etwas außer dem nicht viel sagenden Bericht über die Versuchungen Jesu in der Wüste. Schon als Knabe führte er einen inneren Kampf gegen die Irrtümer in der jüdischen Religion als der Religion seiner Eltern. Er eckte bei den Schriftgelehrten, ja sogar bei seinen Eltern an, weil er in den Tempel ging und dort die Schrift auslegte. Er tat dies aber nicht nach dem Verständnis der Schriftgelehrten, sondern nach eigenem Empfinden und Verstehen. Bereits für das Kind Jesus galt: "Er überwand in einer seinem Alter entsprechenden Erkenntnis des Bösen die Versuchungen zur Sünde." (Greber, a.a.O., S.317)

Auch in all diesen Kämpfen war Jesus uns Menschen gleich. "Geister der Weisheit zeigten ihm den rechten Weg zur Ausführung seiner Einzelaufgaben. Aber auch nur dann, wenn er die eigenen Geisteskräfte bis zum äußersten angespannt hatte, ohne das Rechte zu finden. Auch bei ihm galt, was bei jedem anderen Menschen gilt: ‘Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott!’ Gebrauche zuerst deine eigenen Kräfte, um zum guten Ziele zu kommen, und wenn diese nicht ausreichen, dann erst greift Gott mit Hilfe seiner Geisterwelt ein. Gott wirft das Gute und den Sieg des Guten niemandem in den Schoß. Er verlangt, dass jeder zunächst seine persönlichen Kräfte voll ausnutzt. Auch von Christus verlangte er dies." (Greber, a.a.O., S.335)

Der Sieg nach einem Kampf gegen eine Versuchung des Bösen bleibt jedoch nicht unbelohnt. Es ist ein göttliches Gesetz, dass mit jedem neuen Sieg über das Böse eine größere Widerstandskraft gegen die Sünde erlangt wird. Zugleich wird es aber auch dem Bösen gestattet, seine Angriffe gegen einen Menschen zu verstärken. Das bedeutet, dass das Leben eines gottestreuen Menschen ein beständiger Kampf gegen das Böse ist: "Ein Kriegsleben ist des Menschen Leben auf dieser Erde." (Greber, a.a.O., S.317) Dieses Gesetz gilt für alle Menschen und es galt auch für Jesus. Er erhielt also mit jeder Überwindung einer Versuchung zum Bösen von Gott eine Vermehrung seiner inneren Kraft und Erkenntnis des Geistes. Doch das Böse durfte eben auch verstärkt gegen ihn vorgehen.

Obwohl Jesus zunächst ein Mensch wie andere war und er nicht wusste, wer er war und welche Aufgabe er als Mensch zu erfüllen hatte, entwickelten sich schon in den ersten Jahren der Vernunft große mediale Gaben. Dadurch kam er in die Lage, hellsehend und hellhörend mit der Geisterwelt in Verbindung zu treten. Es war eine Gabe, wie sie viele auch schon vor ihm empfangen hatten. Aus diesem Kontakt mit der Geisterwelt empfing er alles, was er in seinem menschlichen Leben lehrte. Dadurch nahmen mit zunehmendem Alter nicht nur die Erkenntnisse zu, welche das Leben mit sich bringt, sondern eben auch diese aus dem Verkehr mit der Geisterwelt. Zugleich wuchs er im Guten: ‘Er nahm zu an Alter und Weisheit und Wohlgefallen vor Gott und den Menschen’ (Lukas 2,52).

Bei seiner Taufe durch Johannes wurde Jesus seiner Gottessohnschaft gewahr. Sie wurde ihm von Gott bestätigt und er wurde von der Geisterwelt über seine Aufgabe belehrt. Dies beinhaltete jedoch lediglich seine Aufgabe als Mensch. Vom eigentlichen Ziel, also dem endgültigen Sieg über Satan, erfuhr Jesus aber erst, als sich sein Geist im Kreuzestod vom irdischen Leib getrennt hatte. Auch die Hölle wusste nichts über das eigentliche Ziel seiner Menschwerdung. Sie ging davon aus, dass Jesus die Menschheit durch seine Lehre zu Gott führen und für die Wahrheit zu sterben bereit sein solle. Satan dachte, wenn Jesus wie ein Verbrecher sterben würde, so wäre die Lehre eines ‘Gehängten’ unter den Menschen schnell abgetan.

Nach der Taufe kam der bislang größte Kampf, den Jesus zu kämpfen hatte. Wie auch andere Werkzeuge Gottes vor ihm musste er eine Belastungsprobe bestehen. Er sollte geprüft werden, ob er seiner wichtigen und folgenschweren Aufgabe gewachsen war. Für diese Prüfung führte ihn ein Geist Gottes in die Wüste, wo er 40 Tage und Nächte ohne Nahrung verbrachte. Dort war er dem Kesseltreiben der gesamten Hölle ausgesetzt. Der Hölle ging es darum, bei Jesus die Überzeugung seiner Gottessohnschaft zu vernichten. Wenn das erreicht wäre, würde Jesus irre werden an seiner Aufgabe und sie von selbst wegwerfen. Jesus widerstand aber jeder Versuchung des Bösen und bestand die Probe.

Wie aber erging es Jesus in all diesen Prüfungen, Versuchungen und Kämpfen? Wie bereits oben dargestellt strauchelte Jesus des öfteren. Christus wusste, dass die Gefahr des Abfalls von Gott für ihn bestand und mehr als einmal war er nahe daran, den Angriffen der Hölle zu unterliegen. In dieser äußersten Bedrängnis flehte er Gott jedesmal an, ihn davor zu bewahren und zu retten. Davon berichtet auch Paulus: "Christus hat in den Tagen seines Erdenlebens Bitte und Flehen mit lautem Geschrei und Tränen vor den gebracht, der ihn vom ‘Tode’ zu retten vermochte. Und er hat auch Erhörung gefunden und ist von der Angst befreit worden." (Hebräer 5,7). Mit ‘Tode’ ist damit wiederum nicht der irdische Tod, sondern der geistige Tod als Folge des Abfalls von Gott gemeint. Den Kelch der irdischen Todesangst und des irdischen Todes hat Gott Jesus dagegen bis zur Neige leeren lassen.

Jesus war also wirklich in fast allem den anderen Menschen gleich. Nur die Sünde des Abfalls beging er nie. Er kam als Geist des Himmels und ging nach Erfüllung seiner Aufgabe als reiner, himmlischer Geist wieder zurück in das Haus des Vaters.

Da Christus selbst schwach war, weiß er aus eigener Erfahrung, wie uns schwachen Menschen zumute ist. "Wir haben ja nicht einen Hohepriester, der nicht Mitgefühl mit unseren Schwachheiten haben könnte, sondern einen solchen, der in allen Stücken ebenso versucht worden ist, nur ohne die Sünde." (Hebräer 4,15) Auch hier ist mit Sünde der Abfall von Gott gemeint, den Christus nie beging.

Die Aufgabe Jesu

Die Aufgabe Jesu bestand aus zwei Teilen. Als erstes ging es darum, sich als der Gesandte Gottes auszuweisen und die in der Knechtschaft des Bösen schmachtenden Menschen dahin zu bringen, dem Bösen zu entsagen. In den Menschen musste das Sehnen nach dem Reiche Gottes geweckt werden. Sie mussten bereitgemacht werden, dass sie aus der Knechtschaft des Bösen in das Reich Gottes heimkehren wollten. Als zweites musste danach das Böse dazu gebracht werden, diejenigen freizugeben, die zurück zu Gott wollten. Das Böse musste also gezwungen werden, diejenigen gehen zu lassen, die gehen wollten.

Diese Teilung gab es auch bei Mose, dessen Aufgabe ein genaues Abbild der Aufgabe Jesu war. Mose sollte als Gesandter Gottes das geknechtete Volk der Hebräer in das Gelobte Land führen. Bei Mose waren die Geknechteten die Israeliten, ihre Peiniger die Ägypter unter dem Pharao. Der erste Teil der Aufgabe für Mose bestand darin, die Geknechteten dahin zu bringen, das Land der Peiniger verlassen zu wollen und sich seiner Führung anzuschließen. Der zweite Teil bestand darin, die Ägypter zu zwingen, das Volk auch ziehen zu lassen. Das war viel schwieriger, denn natürlich würden die Ägypter die billigen Fronknechte und Sklaven nicht ziehen lassen.

Mose selbst hatte nur dafür zu sorgen, dass er den Rettungsplan Gottes nicht durch eigene Schuld zunichte machte, er musste dem Pharao gegenüber stark bleiben. Das Volk Israel musste sich zum Auszug aus dem Land der Peiniger bereiterklären und bereithalten. "Gott war es, der dann den endgültigen Sieg über Pharao verlieh und die Befreiung des Volkes Israel zur vollendeten Tatsache machte. Auf welche Weise Gott diesen Sieg verlieh, danach hatte weder Mose, noch das Volk zu fragen. Das war allein Gottes Sache." (Greber, a.a.O., S.327)

Auch Jesus musste den Machthabern des Bösen gegenüber stark bleiben. Er durfte ihren Angriffen, ihn zum Abfall von Gott zu bringen oder seine Aufgabe aufzugeben, nicht unterliegen. "Christus musste wie Mose auf der Hut sein, von dem nicht besiegt zu werden, den er besiegen wollte. Blieb er in seiner Verteidigungsstellung gegen die Angriffe des Bösen fest, dann war es Gottes Sache zu bestimmen, wie er den Sieg über Satan auch in der Offensive errang." (Greber, a.a.O., S.327) Jesus konnte ja nicht als Mensch gegen die Geister (des Bösen) zum Angriff vorgehen. Dazu musste er erst selbst wieder Geist sein, also irdisch gestorben sein. Erst nach seinem Tode konnte es heißen: ‘Abgestiegen zu der Hölle.’ Von diesem zweiten Teil der Aufgabe wurde Christus erst nach seinem Hinscheiden am Kreuze informiert.

Die Gefahr des Scheiterns war, wie weiter oben schon dargestellt, durchaus gegeben. Dann hätte ein zweiter Geist des Himmels die Aufgabe der Erlösung wahrnehmen müssen, welche dem ersten Sohne aufgrund seiner Schwachheit misslungen war. "Ihr wisst ja nicht die unermessliche Liebe eures himmlischen Vaters zu schätzen, der seinen eingeborenen Sohn nicht schonte, sondern sich aus Liebe zu euch der Gefahr aussetzte, auch ihn zu verlieren, wie er den zweiten Sohn verloren hatte.

Und ihr vermögt euch auch nicht das Furchtbare des Kampfes vorzustellen, den Christus euretwegen gegen die ganze Hölle zu bestehen hatte, wenn er euch erlösen wollte. [...] Auf Christus, euren ältesten Bruder, stürzte sich die ganze Hölle, an ihrer Spitze Luzifer selbst. Und das nicht bloß einmal für wenige Augenblicke, sondern immer und immer wieder, ein ganzes Menschenleben hindurch. Sturmkolonne auf Sturmkolonne der finsteren Mächte ging Tag für Tag gegen diesen Menschensohn vor, und schließlich nahmen sie als Sturmwaffe die größte menschliche Marter[...]." (Greber, a.a.O., S.328)

Obwohl er uns als Mensch in allem gleich war und die ganze Höllenmacht gegen ihn anstürmte, blieb er stark. Er erfüllte seine Aufgabe. Er starb als Mensch, gehorsam Gott gegenüber. Er fiel nicht von Gott ab. Satan konnte nichts gegen ihn ausrichten. Christus war und ist der Sieger.

Jesus Christus – Gesandter Gottes, nicht Gott

Nur der Vater ist Gott und sonst keiner. Christus ist "nur" der Sohn Gottes und er hat immer wieder betont, dass er nicht Gott sei. Er hat niemals behauptet, in irgendeinem Punkte Gott gleich zu sein. Er wurde nicht müde zu betonen, dass niemand gut sei außer dem Vater, er alles aus dem Vater habe und nichts aus sich selbst könne, er nichts aus sich selbst rede, keine wunderbaren Werke aus sich selbst vollbringen könne. Alles hat er vom Vater, der ihn beauftragt hat und von dem er die Kraft hat, Tote zu erwecken und Kranke zu heilen. Er tat alles so, wie der Vater es wollte und zu der Stunde, die der Vater dafür festgesetzt hatte. Wenn jemand aus sich selbst nichts kann, dann ist damit der unwiderlegbare Beweis erbracht, dass dieser Jemand nicht Gott sein kann.

"Diese Wahrheit ist in den Heiligen Schriften so klar enthalten, dass man sich darüber wundern muss, wie Menschen dazu kommen konnten, Christus zum ‘Gott’ zu machen, während der Vater und Gebieter alles Geschaffenen feierlich schwört: ‘Ich allein bin Gott und sonst keiner.’ " (Greber, a.a.O., S.330)

Jesus Christus ist jedoch in mehrfacher Weise einzigartig. Er ist der höchste von Gott geschaffene Geist. Zudem ist er der einzige Geist, der seinem himmlischen Leibe nach direkt von Gott ins Dasein gerufen wurde. Doch ist er nicht nur dem Leibe nach direkt von Gott geschaffen, sondern er ist in seinem ganzen Sein eine direkte Schöpfung Gottes. Er wurde mit der Schöpferkraft von Gott ausgestattet. Er ist also der ‘Eingeborene’ des Vaters. In dieser Eigenschaft wurde ihm allein von Gott die Statthalterschaft über die gesamte Schöpfung verliehen.

"Die große Gotteslästerung, welche die Juden Christus vorwarfen, indem sie fälschlich behaupteten, er mache sich Gott gleich, begehen heute diejenigen, die Christus zum Gott machen, während Christus selbst die Gottgleichheit so weit von sich wies." (Greber, a.a.O., S.332)

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1) Johannes Greber – Der Verkehr mit der Geisterwelt Gottes, seine Gesetze und sein Zweck. Selbsterlebnisse eines katholischen Geistlichen, 8. Auflage 1985, Johannes Greber Memorial Foundation, New York, S.308f.

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