Die Aufwärtsentwicklung als Folge der Erlösungstat

Waldweg

Nachdem die Brücke zwischen dem Reich des Todes und dem Reich des Lebens gebaut ist, nach dieser Erlösungstat also, bleibt es nunmehr allen einst abgefallenen Geistern selbst überlassen, ob sie heimkehren wollen oder nicht. Der Weg ist zumindest frei und Luzifer darf uns nicht mehr mit Gewalt an sich binden und uns vom Heimgang abhalten. "Die Gefangenen können nach ihrer Heimat gehen. Ob sie es tun oder nicht, das hängt von ihnen selbst ab. Christus hat die Brücke zur Heimat gebaut. Aber der freie Wille des einzelnen muss die Heimkehr bewerkstelligen. Er darf die Mühen nicht scheuen, die mit der Zurücklegung des Heimwegs verbunden sind. Was haben es sich eure Gefangenen im Weltkrieg nach Friedensschluss kosten lassen, um zur Heimat zu gelangen! Aus den fernsten Steppen Sibiriens wanderten sie mit blutenden Füßen Woche um Woche, um die Grenzen ihres Vaterlandes zu erreichen."1)

Alles kann und muss eine stete Aufwärtsentwicklung sein hin zum Hause Gottes. Wir dürfen und sollen uns mit unserem freien Willen zwischen dem Reich des Todes und dem Reich Gottes, also dem der Lebenden, entscheiden.

Im Reich der Tiefe hatte unser Dasein nur dem Bösen gedient. Einst mitabgefallen waren wir ein Teil des Bösen und das Böse war ein Teil von uns. Doch mit dem Durchschreiten der verschiedenen aufeinanderfolgenden, von Christus geschaffenen Besserungssphären begann für einen jeden von uns der Aufstieg. Dieser Aufstieg ist die Antwort auf die zweite der Menschheitsfragen. Wir sind als Menschen inkarniert, um uns zu Gott hinzuentwickeln und das Menschenleben ist nur ein sehr kurzer Teil in dieser langen Entwicklung.

Das Leben des Menschen ist wie ein Examensweg, der so oft wiederholt werden muss, bis er bestanden ist. Dies geht natürlich nur über erneute Inkarnationen, in denen wir immer wieder erneut eine Möglichkeit zur Besserung erhalten. Durch die Reinkarnationen wird auch deutlich, dass wir unsere eigenen Erben sind. Ephides weist neben anderen auch in folgendem Gedicht darauf hin:

Geweihte Stätten

Es gibt Stätten, welche hohe Kraft bewahren,

Stätten, die geweiht durch Leiden sind.

Sie erzählen von bestandenen Gefahren,

von den Menschen, die des Schicksals Meister waren.

Ihren Atem trägt zu euch der Wind.

Wisst ihr denn, ob nicht der Vorzeit Vollnaturen

in euch sind? Der Leib ist nur ein Kleid.

Kennt ihr euren Anteil an den Ur–Kulturen?

Wandelt, Kräfte schöpfend, ihr auf eignen Spuren,

weil ihr eure eignen Erben seid.

Ephides

Wir werden nach einem Menschenleben aber nicht sofort neu inkarniert, sondern kommen erst in die bereits erwähnten Parallelsphären. Erst nach einer gewissen Zeit der Vorbereitung werden wir erneut inkarniert, um aufs Neue eine Chance zum Bestehen des Examens zu erhalten.

In diesem Examensweg ist das meiste von dem, was wir Menschen gerne als Schicksal bezeichnen, in Wirklichkeit Ergebnis der Selbstbestimmung unseres freien Willens. Der Lebensweg ist nur nach Art und Dauer und mit gewissen Schicksalsstationen vorherbestimmt. Was wir auf diesem Wege tun und wie wir uns auf diesen Stationen verhalten ist unsere eigene Entscheidung und nur wir tragen die Verantwortung dafür. Die Schicksalsstationen sind Zwischenprüfungen auf diesem Weg. Der irdische Tod bildet den Abschluss und jeder Mensch stirbt an dem für ihn festgesetzten Zeitpunkt. Kein Arzt kann daran etwas ändern. (vgl. Greber, a.a.O., S.80ff.; 5. Mose 31,14; Psalm 31,15; Psalm 139,16; Jeremia 10,23; Prediger 8,8; 9,12 und 6,10–11; Matthäus 6,27)

Wenn wir das Examen bestanden haben, werden wir nicht mehr als Menschen zurückkommen müssen, sondern uns in weiteren Sphären weiter entwickeln können, bis wir wieder in die für uns freigehaltene himmlische Wohnung einziehen können, die wir einst beim Abfall verlassen mussten.

Mag sich ein Mensch auch durch noch so viele Menschenleben hindurch gegen das Gute entscheiden, so wird doch für jeden einmal der Tag kommen, "wo er seinen Hunger nach Glück und Frieden nicht mehr an den Trögen des Bösen stillen kann, und er wird endgültig den Heimweg antreten. Die einen brauchen zu diesem Weg nur ein einziges Menschenleben. Andere quälen sich Hunderte, wieder andere Tausende von Jahren fern von Gott [...] Es ist ihre eigene Schuld, dass sie öfters von neuem Mensch werden müssen und so spät den Weg des Lichtes finden, gebaut von der Liebe Gottes und seines Sohnes, des großen Retters der gefallenen Schöpfung." (Greber, a.a.O., S.350)

Auf unserem Weg zu Gott hin machen wir viele Fehler und fallen oft. Davon dürfen wir uns nicht entmutigen lassen. Es soll aber ein Fallen, ein Stolpern zu Gott hin sein. Als Menschen können wir nicht vollkommen werden und Gott weiß das. Wir müssen nur immer wieder weitergehen und wenn nötig neu anfangen. Wichtig dabei ist, dass das Fallen nicht zu einem erneuten Abfall führt. "Nicht das Straucheln und Fallen des Gottesgläubigen und Gottsuchers führt den geistigen Tod herbei. Denn es ist ein Straucheln aus menschlicher Schwäche, ein Fallen auf dem Wege zu Gott. Aber sich abwenden von Gott, ihm den Rücken kehren und so leben, als ob es keinen Gott gäbe – das ist die Sünde, die den geistigen Tod gebiert." (Greber, a.a.O., S.160)

Nur durch die Erlösung durch Jesus Christus ist die weitere Aufwärtsentwicklung über das Menschsein hinaus möglich. Darin findet sich auch die Antwort auf die dritte der Menschheitsfragen, also wohin wir gehen: wir gehen alle – die einen früher, die anderen später – heim in das Reich der Lebenden, in das Reich Gottes. Durch die neue Gesetzgebung, die unser König Christus bei seinem Sieg bestimmte, ist auch sichergestellt, dass keiner, wirklich keiner, verloren geht. Alles wird wieder zurück zu Gott geführt.

Für den weiteren Aufstieg muss ein Mensch zeigen, dass er soweit ist, in die nächste Stufe auf dem Weg in das Haus des Vaters eintreten zu dürfen. Auch wenn die konkrete Aufgabe im Leben eines jeden zumeist unbekannt ist, steht die Wahl zwischen Gut und Böse und – wenn man sich einmal zum Guten entschieden hat – das Durchhalten der Entscheidung auf dem ganzen Lebensweg an. Das gilt für jeden Menschen und unabhängig von dem genauen Lebensweg eines einzelnen.

Wie auch um den Menschen Jesus ein Kampf entbrannte und die böse Geisterwelt ihn ständig zum Aufgeben seiner Aufgabe und zum Abfall von Gott bringen wollte, so versucht sie es auch heute bei jedem Menschen, nur nicht in derselben Art und Stärke. Genauso wie Jesus hat ein jeder von uns den Verlockungen des Bösen zu widerstehen, um sich mehr Kraft und Hilfe Gottes zu verdienen. Dabei sind wir auf unserem Lebensweg jedoch nicht alleine. Die gute Geisterwelt versucht uns ebenfalls zum Guten zu beeinflussen.

Dieser Teil soll mit dem Aufruf enden, der bereits am Anfang deutlich wurde: Ein jeder soll sich über die gebaute Brücke auf den Weg in das Haus des Vaters machen. Wie das in der Lebenswirklichkeit für einen aussieht, muss sich ein jeder selbst erarbeiten. Wegweisend dafür sind unter anderem die Quellen, die in der Literatur angegeben sind. Es sei nochmals auf das Buch von Johannes Greber "Der Verkehr mit der Geisterwelt Gottes, seine Gesetze und sein Zweck. Selbsterlebnisse eines katholischen Geistlichen" hingewiesen. Sollten weitergehende Fragen zur Literatur bestehen, kann auch der Verfasser unter der im Impressum angegebenen Mailadresse kontaktiert werden.



1) Johannes Greber – Der Verkehr mit der Geisterwelt Gottes, seine Gesetze und sein Zweck. Selbsterlebnisse eines katholischen Geistlichen, 8. Auflage 1985, Johannes Greber Memorial Foundation, New York, S.350

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