Die Erlösung (1/4)

Die dreizehn Geistersphären, von denen im Teil Menschheit die Rede war, wollte Gott nach der Erlösung schaffen. Denn was hätte die Schaffung dieser Sphären genutzt, wenn zwar Geister sich so weit entwickelt hätten, dass sie in diese Sphären aufsteigen hätten können, aber Luzifer niemand gehen lässt? Er hatte ja seine Herrscherrechte von Gott bekommen und Gottes Gerechtigkeit verbot es, sie ihm wieder zu nehmen. Man musste Luzifer irgendwie dazu bringen, auf dieses Recht zu verzichten.

Der Plan

Freiwillig hätte Luzifer nicht auf seine Herrscherrechte verzichtet. Dies musste wohl durch einen Kampf geschehen. Ein solcher Kampf musste allerdings gerecht sein. Ein Angriff mit den überlegenen Legionen des Himmels kam nicht in Frage, denn dies wäre einem Entzug der von Gott gegebenen Herrscherrechte gleichgekommen. Dies hätte der Gerechtigkeit Gottes widersprochen. Die einzige Möglichkeit bestand darin, dass sich ein Geist des Himmels selbst in den Machtbereich Luzifers begibt und ihn dort zum Kampf herausfordert. Wenn dieser Kampf gewonnen wäre, so könnte der Gewinner dem Verlierer die Bedingungen des Friedens diktieren. Dies ist vergleichbar mit einem Volk auf Erden, das sich gegen seine Unterdrücker und Peiniger auflehnt, um sein Joch abzuschütteln.

Ein solcher Kampf würde allerdings große Gefahren in sich bergen. Denn wenn dieser Geist von Gott abfallen würde, so wäre er Luzifers Untertan und ihm damit verfallen. Alles, was in der Materie verkörpert ist, untersteht dem Einflussbereich des Bösen. Wenn also ein Geist des Himmels käme, so würden für ihn dieselben Gesetze gelten wie für alle anderen Menschen auch. Er hätte etwa keine Erinnerung mehr an sein früheres Dasein im Himmel, wäre als Mensch den Anfechtungen des Bösen ausgesetzt und bekäme von Gott auch nicht mehr Hilfe als jeder andere Mensch. Um dieser Gefahr zu begegnen, dürfte dieser Geist nur äußerlich in den Herrschaftsbereich Luzifers eintreten.

Eine besondere Hilfe Gottes für diesen Geist von vornherein wäre ungerecht. Daher musste sie sich dieser Geist erst verdienen, wie es auch jeder andere Mensch tun kann: in dem Maße, wie ein Mensch den großen Verlockungen des Bösen standhält, erhält er eine immer größere Hilfe Gottes. Allerdings darf dann auch das Böse seine Angriffe gegen ihn verstärken. Doch Gott lässt dabei niemanden über seine Kräfte versuchen. Ein Kind ist noch nicht so stark. Daher darf ihm auch nicht so viel Last zugemutet werden.

"So durfte auch jener menschwerdende Geist des Himmels als Kind nicht so schwer vom Bösen angefochten werden wie in seinen reiferen Jahren. Und erst, wenn er die Erkenntnis gewonnen hatte, wer er war und welchen Zweck seine Menschwerdung hatte, wurde der Hölle gestattet, mit allen Machtmitteln gegen ihn anzugehen. Dann begann der Vernichtungskampf. Es war also für jenen Geist als Mensch ein Verteidigungskampf gegen das Böse, das ihn zum Abfall von Gott zu bringen suchte. Es musste ein Kampf werden, der für den menschgewordenen Himmelsgeist, sofern er bis zum Schluss standhaft blieb, mit einem martervollen irdischen Tod endete. Denn es ist eine ständige Kampfart der bösen Mächte, dass sie die Festung, die sie mit kleineren und mittleren Geschützen nicht niederkämpfen können, mit dem schwersten Kaliber irdischer Qualen zur Aufgabe zu zwingen suchen."1)

Mit einem bloßen Verteidigungskampf kann man jedoch keinen Krieg gewinnen. Man muss den Gegner auch in einem Angriff bezwingen. Dies konnte der menschwerdende Geist des Himmels nicht tun, da ihm als Mensch hierzu die Mittel fehlten. Erst nach seinem irdischen Tode hatte er diese Möglichkeit: Wenn er also den großen Versuchungen des Bösen als Mensch widerstand und trotz jeder Qual Gott treu blieb, so hatte er sich die größte Hilfe und Kraft Gottes verdient, die ein Geist erlangen kann. Mit dieser Kraft konnte er dann nach seinem irdischen Tode in die Tiefen der Hölle hinabsteigen und Luzifer in einem Angriffskrieg schlagen. Hierzu hatte er dann die Legionen des Himmels, die ihm von Gott zur Unterstützung gegeben waren. Dies war nicht ungerecht, denn er hatte sich das Recht zum Angriff mit Unterstützung der Legionen des Himmels durch seine Menschwerdung, also sein Leben im Machtbereich Luzifers und seine Treue zu Gott, selbst verdient.

Wurde der Sieg in diesem Angriffskampf errungen, konnte der Gewinner dem Verlierer dann die Friedensbedingungen diktieren. Dabei ging es jedoch nicht darum, Luzifer zur vollständigen Ohnmacht zu verurteilen und ihm jegliche Herrschaft über die abgefallenen Geister zu nehmen. Seine Rechte sollten nur eingeschränkt werden. Bisher durfte er alle Geister mit Gewalt von der Heimkehr ins Reich Gottes abhalten, auch diejenigen, welche heimkehren wollten. Dieses Recht müsste er aufgeben. Er dürfte zwar immer noch alle Mittel der Verführung gegen die zur Heimkehr willigen Geister anwenden, aber er dürfte sie nicht mehr mit Gewalt unter sein Szepter beugen.

Unter diesen Friedensbedingungen würden die abgefallenen Geister nach und nach zurückkehren ins Reich Gottes. Irgendwann wäre dann Luzifer ohne seine Untertanen zur Ohnmacht verdammt. Er müsste sich ebenfalls unterwerfen. Und die Garantierung eines solchen Friedensvertrags würde durch Gott überwacht und sichergestellt werden, denn seiner Macht untersteht auch die Hölle.

"Das wäre dann nach dem Heilsplan Gottes der Tag, wo es keine Trennung von Gott, also keinen Tod mehr gibt. Das wäre der Tag, wo alle einst vom Baume des Lebens abgerissenen Zweige wieder eingepropft sind, der Tag, wo keine Klage und Kummer mehr ist, der Tag, wo Gott abwischen wird alle Tränen, die in so großer Zahl von den abgeirrten Kindern auf dem langen Weg der Trennung geweint worden sind. Es wäre der Tag, an dem das Reich Gottes wieder in demselben Umfang erstrahlen wird, wie es vor dem Abfall der Geister gewesen. Dann würden die zurückgekehrten Kinder Gottes die Plätze im Vaterhaus wieder einnehmen, die sie einst innegehabt." (Greber, a.a.O., S.295)

"Und auch Luzifer, der als letzter mit übergroßer Reue im Herzen über die vom Sieger gebaute Brücke geht, würde wieder der herrliche Lichtträger sein an der Seite Christi, seines königlichen Bruders, dessen Liebe und weise Regierung er einst schnöde verkannt. Und es würde ein Freudenjubel durch das Reich der Himmel schallen." (Greber, a.a.O., S.295)

Unmittelbar nach dem Sturz Luzifers offenbarte Gott diesen Plan nur seinem Sohne und einigen der höchsten Himmelsfürsten. Einer von ihnen sollte sich freiwillig bereiterklären, diese Aufgabe der Erlösung zu übernehmen. Diese wussten nicht nur, dass sie unterliegen könnten. Sie wussten auch, dass bei jeder Niederlage eines Geistes die Sendung eines weiteren erforderlich werden würde bis die Aufgabe der Erlösung vollbracht wäre. Doch trotz all der Gefahren erklärte sich jeder der Geister bereit, den Versuch zu wagen.

Allerdings bat Christus als erster um die Erlaubnis, diese Aufgabe übernehmen zu dürfen. Ihm hatten die Abgefallenen die Gefolgschaft verweigert und ihm hatte der Kampf gegolten, der zum Abfall geführt hatte. Als der von Gott eingesetzte König über die Schöpfung wollte er nun selbst alle abgefallenen Zweige wieder in den großen Geistorganismus einpfropfen. Er wollte alle Abgefallenen von der Sünde des Abfalls befreien und die Brücke bauen, über die alle wieder zurück in das Haus Gottes heimkehren dürften. Gott gab hierzu seine Einwilligung.

Dieser Plan sollte aber erst dann ausgeführt werden, wenn sich genug abgefallene Geister aus der Tiefe wenigstens bis zur Menschwerdung, also der letzten irdischen Stufe, so weit emporgearbeitet hätten und sie sich nach einer Heimkehr ins Reich Gottes sehnten. Ansonsten blieb der Plan allen anderen Geistern verborgen. Hätte nämlich die Hölle diesen Plan gekannt, hätte sie versucht ihn zu durchkreuzen. So hätte es etwa sein können, dass sie den Erlöser als Mensch in keiner Weise versucht und gequält hätte, um ihm so unter Hinweis auf einen ungleichen Kampf das Recht zu nehmen, Forderungen zu stellen. Satan sollte bekennen müssen, "dass er einen sich selbst überlassenen Menschen trotz der größten geistigen und leiblichen Folterqualen, die er ihm bereitet, nicht zum Abfall von Gott hatte bewegen können." (Greber, a.a.O., S.345)

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1) Johannes Greber – Der Verkehr mit der Geisterwelt Gottes, seine Gesetze und sein Zweck. Selbsterlebnisse eines katholischen Geistlichen, 8. Auflage 1985, Johannes Greber Memorial Foundation, New York, S.293

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