Das heutige Christentum – Priestertum

Im Urchristentum gab es keine Priesterweihe. Es gab sogenannte Presbyter, was auch Ältester bedeutet. Ein Presbyter war aber nicht dem Alter nach der älteste, sondern der Einsicht nach. Er war also der innerlich Reifste. Das Wort Priester leitet sich von Presbyter ab.

Weil Menschen die innere Reife und Würdigkeit eines Menschen nicht beurteilen können und die ersten Christen noch im Kontakt mit der heiligen Geisterwelt standen, wurden die Presbyter von den heiligen Geistern Gottes bestimmt. Zum Zeichen der Anerkennung ihrer Bestimmung wurde ihnen dann von den Mitgliedern der Gemeinde in feierlicher Weise die Hand aufgelegt. Ein Priester wurde also nicht von einem Bischof geweiht und mit geistlichen Vollmachten ausgestattet, er spendete keine Sakramente und vergab auch keine Sünden.

Was waren die Aufgaben eines Presbyters? Wenn mehrere Menschen zusammenkommen, so muss immer irgendeiner da sein, der sicherstellt, dass eine Ordnung und der Zweck des Treffens eingehalten wird. Dieses Einhalten der Ordnung war eine der Aufgaben des Presbyters. Er stellte sicher, dass jede Versammlung der Christen, wie etwa die Feier des Abendmahls, der Gottesdienst oder Treffen zur gegenseitigen Erbauung und Stärkung durch eine entsprechende Gestaltung in schöner Ordnung und Eintracht verlief. "Denn Gott ist ein Gott der Ordnung in seiner ganzen Schöpfung. Wie er in der Geisterwelt Führer und Leiter bestimmt hat, so will er auch, dass es in der menschlichen Heilsordnung Leiter gibt, die alles so einrichten, dass die Glieder der Heilsgemeinschaft möglichst großen geistigen Nutzen ernten."1)

Neben dem Einhalten der äußeren Ordnung kamen ihm aber auch noch andere sehr wichtige Aufgaben zu. "In den Gottesdiensten wurde durch die sich kundgebenden Geister vieles angeordnet, was für das geistige Fortkommen der Gemeinde von Wichtigkeit war. Der Presbyter hatte nun dafür zu sorgen, dass jene Anordnungen und Aufträge pünktlich und gewissenhaft durchgeführt wurden." (Greber, a.a.O., S.423f.)

"Da die wahre Religion eine Religion der Nächstenliebe ist, so wurde bei den Christen ein großer Wert auf die Hilfe gelegt, die den wahrhaft Hilfsbedürftigen in der Gemeinde gewährt werden sollte. Da war es der Presbyter, der in ständiger Fühlung mit den Familien seiner Gemeinde blieb und mit ihnen alles besprach, was sie leiblich und seelisch bedrückte. Er war der treueste Freund aller. Alle hatten deswegen ein unbegrenztes Vertrauen zu ihm, weil er von den Geisterboten Gottes als derjenige bestimmt worden war, der Freud und Leid mit ihnen teilen sollte und dem sie alles anvertrauen konnten." (Greber, a.a.O., S.424)

"Infolge seiner Erwählung durch die Geisterwelt besaß er auch die Gottesgabe, ihnen stets das für sie Beste in Rat und Tat zu gewähren. Er stellte fest, wo Hilfe nottat, besuchte die Kranken und menschlich Verlassenen, Witwen und Waisen und trug dafür Sorge, dass von den anderen christlichen Familien die erforderliche Hilfe gewährt wurde." (Greber, a.a.O., S.424)

"Die ersten Christen brachten zu den Versammlungen sehr viele materielle Gaben der verschiedenen Art mit und übergaben sie dem Ältesten, damit er sie an die Notleidenen austeile. Da der Älteste auch die Gabe der Heilung hatte und so ein großer Helfer der Kranken war, so war es natürlich, dass er sich durch seine Tätigkeit auch rein menschlich die Liebe und Zuneigung der Mitchristen erwarb." (Greber, a.a.O., S.424)

"Aus dem großen Vertrauen heraus, das alle zu ihm hatten, sprachen sich die Glieder der Gemeinde auch über das bei ihm aus, was sie an geistigen Bedrängnissen zu tragen hatten, bekannten ihm dabei auch manche Fehltritte und baten ihn um seinen Rat. Er richtete sie auf, tröstete und ermunterte sie, betete mit ihnen und war allen ein geistiger Vater und wahrer Hirte." (Greber, a.a.O., S.424)

Da die Anzahl der Mitglieder in einer Gemeinde nur so groß sein durfte, dass die Zusammenkünfte in privaten Räumlichkeiten stattfinden konnten, gab es eine recht große Anzahl von Gemeinden an einem Ort. Jede Gemeinde hatte dabei ihren eigenen Presbyter. Da es nun wohlhabende und weniger wohlhabende Gemeinden gab, musste es jemanden geben, welcher Kontakt zu allen Presbytern der Gemeinden hielt und von diesen die Informationen zusammentrug, in welcher Gemeinde Not war und wo auf der anderen Seite Hilfeleistungen zur Verfügung standen. Er stellte dann den Ausgleich dieser Hilfen zwischen den Gemeinden sicher.

Diesen nannte man ‘Episkopos’, den Aufsichtsführenden. Aus diesem Wort entstand das heutige Wort Bischof. Auch er wurde nicht von Menschen, sondern von der heiligen Geisterwelt bestimmt. Er hatte also zur Aufgabe, sich mit den Presbytern der Gemeinden auf dem Gebiet der christlichen Hilfe zu besprechen und die Verteilung der Hilfen unter den Gemeinden sicherzustellen.

Wie aber konnte aus dieser Ordnung des damaligen frühen Christentums ein Priestertum der heutigen Art entstehen? Manche Menschen in den einzelnen Gemeinden strebten nach mehr Macht über ihre Mitchristen. Die Presbyter und Bischöfe wurden nun nicht mehr von Geistern Gottes, sondern von einflussreichen Menschen bestimmt. "Herrschsucht und andere menschliche Untugenden schlichen sich ein. Denn wo die Geister Gottes fehlen, da wirken andere Geister, die nicht das Heil der Menschheit wollen, sondern ihr Verderben. Das Gute herrscht durch Freiheit – das Böse durch Zwang. Die Urkirche, in der die Geister Gottes das Szepter führten, war eine Kirche der Freiheit der Kinder Gottes. Die spätere Kirche, welche die Geister Gottes ausschaltete, wurde unter dem Einfluss der bösen Mächte, die in ihr wirksam wurden, eine Kirche der geistigen Knechtschaft, in der die Leiter sich Gewalten anmaßten, die gegen den Willen Gottes verstießen und infolge dieser Gewalten den Gläubigen den direkten Weg zu Gott versperrten." (Greber, a.a.O., S.425f.)

Wie beim Papst wird heute auch kein Priester, Bischof oder anderer kirchlicher Würdenträger durch einen heiligen Geist Gottes bestimmt. Die Katholiken sind immer noch abhängig von der Kirche, denn nach ihrer Lehre gibt es ohne sie keine Sündenvergebung, kein Kommen des Geistes Gottes, kein Abendmahl, keinen echten Gottesdienst, keine Krankensalbung und keine gültige Ehe.

"Sollen die jetzigen christlichen Kirchen wieder Träger der wahren Lehre Christi werden, dann müssen sie zurückkehren zum Gottesdienst der Urkirche. Es ist freilich keine Hoffnung, dass eine Rückkehr zum Christentum Christi von seiten der Leiter der heutigen christlichen Kirchen angebahnt wird. Sie muss vom Volke ausgehen." (Greber, a.a.O., S.426)

Wo die Geister Gottes sind, da ist die Wahrheit.



1) Johannes Greber – Der Verkehr mit der Geisterwelt Gottes, seine Gesetze und sein Zweck. Selbsterlebnisse eines katholischen Geistlichen, 8. Auflage 1985, Johannes Greber Memorial Foundation, New York, S.423

Nach oben