Das heutige Christentum – Die Bedeutung des Abendmahls

Bereits bei den Juden und auch bei den Heiden gab es Opfermahle. Sie waren unter anderem das Sinnbild der inneren Gemeinschaft mit der Gottheit selbst. Ähnlich wie die Speisen im Körper mit dem Körper selbst eins werden, so sollten die Teilnehmer an diesen Opfermahlen in Geist und Gesinnung eins werden mit der Gottheit und deren Willen vollziehen.

"Das Passahmahl der Juden am Abend vor dem Auszug aus Ägypten war das Sinnbild dafür, dass sie mit dem Gott in Gemeinschaft bleiben wollten, der sich ihnen durch Mose als Retter kundgetan hatte. Seinen Weisungen wollten sie in Zukunft gehorchen. Das Passahmahl der Israeliten war also das Sinnbild ihrer Rettung durch Gott aus der Knechtschaft Ägyptens unter der Führung Mose als des Gesandten Gottes."1)

Genauso wie die Aufgabe des Mose ein genaues Abbild der Aufgabe Jesu war, so feierte auch Jesus mit seinen Jüngern dasselbe Mahl, das einst Mose am Abend vor der Befreiung des Judenvolkes gefeiert hatte. Zweierlei sollte mit diesem Mahl verdeutlicht werden: Erstens seinen Abschied im leiblichen Tod und zweitens beständiges Vereintbleiben mit ihnen dem Geiste nach.

Das Sinnbild für seinen leiblichen Tod war das Brechen des Brotes: wie das Brechen der Brotscheibe so wurde am folgenden Tag sein irdischer Leib im Tode gebrochen und vom Leben getrennt. Dies tat er mit den Worten: ‘Nehmet hin und esset; das ist das Sinnbild meines Leibes, der für euch in den Tod gegeben wird. Tut dies zum Andenken an mich!’

So wie der Wein beim Genuss aus dem Kelche floss, so floss am Sterbetag das Blut aus seinem Körper. Jeder seiner Jünger trank daraus. Auch hier fügte Jesus hinzu: ‘Dieser Kelch ist das Sinnbild des neuen Bundes in meinem Blute, das für euch vergossen wird. Sooft ihr ihn trinkt, denkt an mich!’

Die Hauptsache war jedoch die Versinnbildlichung des Einsseins der Jünger untereinander und mit Christus im Geist und in der Liebe genauso wie die Brotscheibe vor dem Brechen ein Ganzes und die Schlucke Wein zuvor im Kelch eine Einheit waren. Die Jünger "sollten die Liebe zu ihrem Meister im Herzen bewahren und dadurch mit ihm verbunden bleiben zu einem geistigen Leibe: Christus ist das Haupt und sie die Glieder." (Greber, a.a.O., S.393)

Dieses geistige Einswerden und Einssein brachte Jesus auch mit den Worten zum Ausdruck ‘Wo auch nur zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen’. Der Genuss des Brotes und Weines war ein heiliges Sinnbild für die geistige Vereinigung der Apostel mit Jesus Christus, dem Erlöser.

Um dieses Einssein hat Jesus an diesem Abend so innig und ergreifend gebetet und die Jünger sollten immer dann, wenn sie zusammen zum Andenken dieses Mahl wiederholten, daran denken. "Sie sollten nicht vergessen,
– dass es ein Mahl der Liebe war, das ihr Herr und Meister am Abend vor seinem irdischen Scheiden mit ihnen gehalten hatte;
– dass nur derjenige an der Wiederholung dieses Mahles teilnehmen darf, der durch das Band der Liebe mit Gott und den Menschen verbunden ist.

Wer diese Liebe nicht im Herzen trägt, kann nicht das Gedächtnismahl der Liebe empfangen. Wer beim Empfange dieses Mahles Hass, Feindschaft, Groll, Neid und sonstige Sünden gegen die Nächstenliebe in seinem Inneren hegt, würde dadurch die größte Heuchelei begehen. Es wäre die schwerste Beleidigung dessen, der dieses Mahl als Gedächtnis der Liebe eingesetzt hat. Darum hat ein jeder, der dieses Mahl der Liebe empfangen will, sich vorher zu prüfen, ob er die Liebe zu Gott und dem Nächsten besitzt, da sonst das Mahl eine Verhöhnung Christi wäre." (Greber, a.a.O., S.393f.) Auch wir Menschen würden es nicht wollen, dass man das Andenken, das man jemandem gab, beschmutzt. Wer eine Feier zu Ehren eines Herrschers schändete, wurde früher sogar wegen Majestätsbeleidigung bestraft.

Das Obige ist die wirkliche, die wahre Bedeutung des Abendmahls Christi und seiner Wiederholung zum Andenken an Christus.

Die katholische Kirche nun hat auch aus dem Abendmahl ein Sakrament gemacht, das ‘Sakrament des Altares’. Sie behauptet, dass beim Abendmahl das Brot in das wirkliche Fleisch und der Wein in das wirkliche Blut Jesu verwandelt worden wäre. Auch wenn diese Verwandlung äußerlich nicht erkennbar ist, so finde auch heute noch während der sogenannten ‘Wandlung’ im Gottesdienst diese Verwandlung statt. Dann wäre also beim damaligen Abendmahl Jesus in jedem Stück Brot und jedem Schluck Wein anwesend gewesen, also insgesamt 23 mal?

"Es ist unbegreiflich, wie Menschen einen solchen Wahn aufbringen können. Kein Mensch und kein Geist kann sich selbst vervielfältigen. Auch Gott nicht. Niemand – auch Gott nicht – kann als Persönlichkeit gleichzeitig an mehreren Orten sein. Niemand kann sich in etwas verwandeln und gleichzeitig das bleiben, was er ist. Christus konnte sich nicht selbst essen. Denn da Christus auch selbst von dem Brote aß, das er seinen Jüngern darreichte, so verzehrte er sich nach dieser Lehre selbst. Ich finde keinen Ausdruck in eurer Sprache, um diese Lehre als Ausfluss höchster menschlicher Verblendung zu brandmarken." (Greber, a.a.O., S.394)

Angeblich kann ein Priester diese Verwandlung in jeder Messe durchführen. Das wird dann als das Geheimnis des Glaubens ("mysterium fidei") dargestellt, da sich selbst diejenigen, die das so erfunden und verbreitet haben, diese Verwandlung nicht erklären können – weil es nicht zu erklären ist. Diesen Vorgang muss man deshalb als Geheimnis bezeichnen, da man damit jedermann sagen kann, er verstehe es halt nicht. Mit dem Wort Geheimnis kann man jeden Wahn verdecken.

Man stelle sich einmal vor, diese Verwandlung hätte tatsächlich stattgefunden. Da wären doch die Apostel und auch Evangelisten nicht müde geworden, immer wieder auf dieses unbegreifliche Geschehen aufmerksam zu machen. Statt dessen steht in der Bibel nirgendwo etwas über diese widersinnige Lehre. Nicht einmal Johannes, der beim Abendmahl zur Rechten Jesu gelegen hatte, berichtet weder in seinem Evangelium noch in seinen Briefen davon.

Es ist zudem bekannt, dass Jesus in Sinnbildern und Gleichnissen sprach. Wenn man die Worte ‘Das ist mein Fleisch, das ist mein Blut’ wörtlich nehmen möchte, müsste man das auch bei den Worten ‘Ich bin der Weinstock und ihr seid die Reben’. Dann wäre Jesus also ein Weinstock und wir zu Reben geworden. Das wäre ebensolcher Unsinn. Woher wollen zudem die Kirchenleute wissen, dass Jesus anstelle von "ist" nicht das Wort "bedeutet" verwendet hat? Wir kennen weder die von Jesus gebrauchten aramäischen Worte noch haben wir den ursprünglichen griechischen Text des Neuen Testaments.

"Der Gottesdienst, dessen Mittelpunkt die angebliche Verwandlung von Brot und Wein in die Person Christi ist, wird von den Katholiken ‘Messe’ genannt. Man bezeichnet sie auch als die Erneuerung des Kreuzestodes Christi. Es gibt keine Erneuerung des Kreuzestodes Christi – auch keine unblutige. Wie ihr euch wohl eine unblutige Erneuerung des Kreuzestodes denkt? Nun, in Wirklichkeit denkt ihr euch überhaupt nichts dabei, weil sich nichts Vernünftiges darunter verstehen lässt.

Die Messe ist entstanden durch eine Erweiterung der Gebete der Abendmahlsfeier der ersten christlichen Zeit. Sie hat jedoch im Laufe der Jahrhunderte alles eingebüßt, was das Abendmahl zu einem Gemeinschaftsmahl und einem Gedächtnismahl des Herrn machte. So enthält also die sogenannte Messe an Gutem weiter nichts als eine Reihe von Gebeten, die jeder für sich ebenso gut in seinem Kämmerlein beten kann. Er bedarf dazu keines Priesters. Das große Vertrauen des katholischen Volkes auf die Wirkung der bezahlten Messen ist daher leider eine große Selbsttäuschung." (Greber, a.a.O., S.400f.)



1) Johannes Greber – Der Verkehr mit der Geisterwelt Gottes, seine Gesetze und sein Zweck. Selbsterlebnisse eines katholischen Geistlichen, 8. Auflage 1985, Johannes Greber Memorial Foundation, New York, S.392

Nach oben